Ökologische Schädlingsbekämpfung im Fokus: Was Bio-Landwirtschaft besser macht
- Mona
- 29. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Schädlinge gehören zum Ackerbau wie Regen und Sonne, aber wie man mit ihnen umgeht, macht den Unterschied. In der ökologischen Landwirtschaft bedeutet Schädlingsbekämpfung nicht Auslöschung, sondern Ausgleich. Keine Chemie, keine Schnellschüsse, keine Kollateralschäden. Stattdessen setzt man auf natürliche Kreisläufe, Nützlinge, Pflanzenvielfalt und Wissen über ökologische Zusammenhänge.
In diesem Artikel zeigen wir, wie Bio-Betriebe Schädlinge erfolgreich kontrollieren; mit Respekt vor Natur und Bodenleben. Und warum ihre Methoden vielleicht nicht laut, aber langfristig wirksam sind.

Bodenleben als Lebensader
Bio macht sich die bodeneigene Vielfalt zunutze:
Zwischenfrüchte & Humusförderung: Pflanzen wie Senf, Ölrettich oder Leguminosen halten den Boden bedeckt, verbessern die Struktur und fördern Regenwürmer. Studien zeigen, dass ökologische Praxis denselben Boden um bis zu 0,8 t Kohlenstoff pro Hektar pro Jahr anreichern kann; oft mehr als Forstflächen.
Schonende Bodenbearbeitung: Minimaler Pflug oder No‑till* reduziert Erosion, spart CO₂ und erhält die wonnevolle Lebensgemeinschaft im Boden: Humus, Mikroben, Kapillarwirkung. Jüngste Studien zeigen deutlich höhere organische Kohlenstoffwerte in Bio-Feldern.
Gut zu wissen!
*No-Till & Bodenruhe: Wenn der Pflug Pause hat
Ein zentrales Prinzip in der ökologischen Landwirtschaft lautet: „Arbeite MIT dem Boden, nicht GEGEN ihn.“ Daher setzen immer mehr Betriebe auf No-Till- oder Minimal-Till-Systeme, also auf den Verzicht oder die Reduktion mechanischer Bodenbearbeitung, wie z. B. das tiefe Pflügen.
No-Till bedeutet wörtlich „nicht pflügen“. Die Erde bleibt weitgehend unberührt. Die neue Saat wird direkt in die oberste Schicht gesät, meist zwischen Mulch oder Pflanzenresten aus der letzten Kultur.
Warum das so wichtig ist:
Bodenleben bleibt intakt: Mikroorganismen, Pilze, Regenwürmer: Sie alle brauchen stabile Lebensbedingungen. Bei intensivem Pflügen werden ihre Gänge zerstört, ihre Populationen geschwächt.
Wasser wird besser gespeichert: Die Struktur bleibt erhalten, Verdunstung wird reduziert, der Boden wird zum natürlichen Wasserspeicher, besonders in Trockenperioden ein Vorteil.
Erosion wird verringert: Durchgehende Bedeckung mit Pflanzenresten oder lebenden Kulturen schützt vor Wind- und Wassererosion.
CO₂ bleibt im Boden: Jedes Pflügen setzt gespeicherten Kohlenstoff frei. Weniger Bearbeitung heißt: Mehr CO₂-Bindung und besserer Klimaschutz.
In der ökologischen Landwirtschaft wird No-Till oft mit Zwischenfrüchten, Mulchsaat oder Agroforstsystemen kombiniert. So entsteht ein lebendiger, atmender Boden, der Nährstoffe bindet, Wasser speichert und langfristig tragfähige Ernten liefert.
Vielfalt statt Monokultur
Auf Bio-Flächen herrscht Artenreichtum:
Langfristige Metastudien zeigen: Bio-Farmen bieten durchschnittlich 30 % mehr Artenvielfalt als herkömmliche Betriebe; von Insekten über Vögel bis hin zu Bodenmikroben.
Diversifikationsstrategie: Intercropping, Fruchtfolgen und Permakultur sind keine Trendwörter, sondern täglich gelebte Praxis. In manchen Systemen steigt die ökologische Leistung um bis zu 2.800 % über 20 Jahre.
Prävention statt Pestizide

Pheromon-Verwirrmethode als Schädlingsbekämpfung
In ökologisch bewirtschafteten Obstgärten, etwa bei Apfel-, Birnen- oder Weinrebenanlagen ist die Bekämpfung von Schädlingen wie dem Apfelwickler (Cydia pomonella) oder Traubenwickler eine große Herausforderung. Da synthetische Insektizide tabu sind, setzen Bio-Betriebe auf eine besonders intelligente Methode: Pheromonverwirrung.
Wie funktioniert das?
Weibliche Insekten (z. B. Falter) geben sexuelle Lockstoffe, sogenannte Pheromone, ab, um Männchen zur Paarung anzulocken.
Die ökologische Landwirtschaft macht sich diesen Mechanismus zunutze: Auf den Feldern oder in den Bäumen werden künstliche Pheromonquellen (z. B. durch Dispenser, Röllchen, Verdampfer) angebracht, die den natürlichen Duftstoff im großen Maßstab imitieren.
Die Männchen werden von der Duftflut regelrecht überfordert. Sie fliegen ziellos, finden keine Weibchen mehr, es kommt nicht zur Paarung.
Dadurch bleibt die nächste Generation der Schädlinge aus und das ohne Spritzmittel, ohne Rückstände, ohne Beeinträchtigung von Nützlingen.

Backpulver- & Maisstärke-Spray
Schon in heimischen Gärten eingesetzt, nutzen Bio-Betriebe Lösungen wie Natriumbicarbonat gegen Mehltau. Eine leicht alkalische Blattlösung hemmt Pilzwachstum und ist EU-zugelassen.
Push‑Pull im Getreide- & Gemüseanbau
Desmodium zwischen Maisreihen kombiniert mit Trap-Gräsern am Rand lenkt Schadinsekten weg, verringert Unkrautdruck und verbessert Bodenfruchtbarkeit.
Schutznetze & Barrieren
Freilandkulturen wie Beeren oder junge Obstbäume bekommen Netze gegen Hagel und Vogelfraß als effektiven Schutz ohne Chemie, steuerbar durch Klimaeffekte wie Schatten und Verdunstungsregulierung.

Marienkäfer: Kleine Räuber mit großer Wirkung
Ein echtes Bio-Wunder ist der Marienkäfer und ganz besonders seine Larven. Sie sind natürliche Feinde vieler Schädlinge und übernehmen im Ökolandbau eine zentrale Rolle – insbesondere bei der Bekämpfung von Blutläusen.

Die Apfelblutlaus (Eriosoma lanigerum) ist einer der gefürchtetsten Schädlinge im Obstbau. Sie setzt sich in Rindenritzen fest, schwächt Bäume über Wunden, und lässt sich schwer bekämpfen, zumal Spritzmittel in der ökologischen Landwirtschaft kaum infrage kommen.
Hier kommen die Marienkäfer ins Spiel:
Eine Larve frisst bis zu 150 Läuse pro Tag.
Sie kriecht durch die schützende Wachsschicht der Blutläuse und dezimiert ganze Kolonien von innen heraus.
Sie legt ihre Eier gezielt in die Nähe von Lauskolonien, damit ihre Nachkommen direkt versorgt sind.
Bio-Betriebe fördern Marienkäfer gezielt durch:
Blühstreifen und Nektarpflanzen, die Nützlingen Lebensraum und Nahrung bieten.
Strukturreiche Feldränder mit Hecken, Totholz oder Altgras: wichtig für die Überwinterung.
Den Verzicht auf Breitband-Insektizide, die Nützlinge ebenso töten würden wie Schädlinge.
Fazit
In der ökologischen Landwirtschaft ist Schädlingsbekämpfung kein Kampf gegen die Natur, sondern ein Denken mit ihr. Es geht nicht darum, alles zu eliminieren, sondern darum, das Gleichgewicht zu wahren. Statt Chemie kommen kluge, lebendige Lösungen zum Einsatz: Pheromone, die verwirren statt vergiften. Nützlinge wie Marienkäfer, die gezielt dort eingreifen, wo Hilfe nötig ist. Pflanzenkombinationen wie beim Push-Pull-System, die Schädlinge sanft umlenken und gleichzeitig den Boden verbessern.
Was das zeigt?B io denkt weiter. Bio denkt ganzheitlich. Bio denkt langfristig.



Kommentare